Wofür Sexologie?

Sexologie beschäftigt sich mit allen Aspekten, die mit Sexualität zu tun haben - das kann sowohl körperlich als auch psychologisch sein.

Die Mehrheit der Klient*innen, die wegen sexueller Probleme therapeutische Hilfe suchen, ist psychisch gesund. Dennoch können sexuelle Störungen die mentale Gesundheit eines Menschen oder die Paarbeziehung massiv beeinträchtigen. Und häufig genug haben psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen) Einfluss auf die Sexualität.

Sexualität kann und muss man lernen

Die menschliche Sexualentwicklung dauert von der frühesten Kindheit bis ins Alter. Wie jede Entwicklung verläuft sie wellenförmig und lebenslang. Man macht neue Entdeckungen und festigt bereits Gelerntes durch Wiederholen oder greift auf frühere Entwicklungsstufen zurück. Körperliche Veränderungen in den verschiedenen Lebensphasen – etwa in der Pubertät oder in den Wechseljahren – sowie Krankheiten und körperliche Beeinträchtigungen erfordern neue sexuelle Lernprozesse, mit sich und anderen.

Wenn sich bei Kindern Entwicklungsverzögerungen in der motorischen oder sprachlichen Entwicklung zeigen, ist man rasch beunruhigt. Doch viele Eltern sind eher erleichtert, wenn sich ihr Kind nicht zu sehr mit seiner Genitalität befasst. Meist liegt es daran, dass sie selbst über diese Prozesse eben nicht so gut informiert sind. Keine menschliche Fähigkeit wird in ihrer Entwicklung von den Eltern und der Gesellschaft so wenig unterstützt, begleitet und verstanden wie die der Sexualität.

Der Mensch als untrennbare Einheit - Hirn-Körper / Körper-Hirn

Der Sexocorporel betrachtet den Mensch als körperlich und seelisch untrennbare Einheit. Aus wissenschaftlichen Gründen wird jedoch der explizite Körper (der sichtbare, bewegbare Körper, die Sinnesempfindungen etc.) und der implizite Körper (die Wahrnehmungen, Emotionen, Gedanken, Fantasien etc.) unterschieden.

„Der Körper als Bühne der Gefühle“ (Zitat António Damásio)

Damit erlaubt dieses Modell eine genaue sexologische Bestandsaufnahme aller Komponenten, welche in der menschlichen Sexualentwicklung zusammenspielen. Dies wiederum ist die Voraussetzung, um Klient*innen - ausgehend von deren sexuellen Anliegen - Fähigkeiten zu vermitteln, welche ihnen eine Verbesserung ihrer sexuellen Gesundheit ermöglichen.

Er sagt…
– ich weiß auch nicht, was ich machen soll… sie hat keine Lust…habe den Eindruck, es liegt wohl an mir …
– früher hatten wir auch Oralsex und es hat ihr gefallen …
– bei der Selbstbefriedigung klappt das super, aber mit meiner Partnerin …
Sie sagt…
– früher war’s anders … jetzt geht es immer so schnell …
– vielleicht findet er mich nicht mehr attraktiv…früher hatte er gleich eine Erektion, wenn er mich nackt gesehen hat …
– ich mach’ es mir schon mal selbst, ab und an, zum Entspannen …

Das Modell sexueller Gesundheit

Die vier Komponenten

neben denken, leichtigkeit fühlen und erleben

Kognitionen

Der Kopf, also alles was wir denken und wissen, aber auch was wir nicht wissen. Natürlich spielen auch unsere Moralvorstellungen für die Sexualität eine Rolle.

Unser Kopf hat oft eine sehr mächtige Position, denn was wir denken, kann schon eine große Rolle spielen. Wenn z.B. eine Erektion nicht da ist, obwohl sie da sein sollte, dann ist man irritiert. Beim nächsten Mal wird man vermehrt darauf achten – und allein das verhindert unter Umständen, dass sie wieder nicht kommt. Alles Kopfsache.

Und wer in einer solchen Denkschleife gefangen ist, wird bemerken, dass man den Kopf nicht mit dem Kopf ausschalten kann.

Daher betrachtet der Sexocorporel noch weitere Ebenen: Sinnesreize, Emotionen und Beziehung.

sinne erleben, leichtigkeit spüren

Sinnesreize

Wir haben unseren Körper zur Verfügung, um unsere Lust zu gestalten. Und daher kann man über verschiedene Mechanismen unseres Körpers Einfluss auf eine als schön erlebte Sexualität nehmen.

Doch auch die medizinische Betrachtung, ob zum Beispiel jemand bestimmte Medikamente nimmt, spielt eine Rolle. Denn auch das hat Auswirkungen auf die sexuelle Lust.

gefühle fühlen, emotional leichter fühlen

Emotionen

Neben dem rein körperlichen nehmen wir die Lust ja auch über unsere Emotionen, Fantasien usw. wahr.

Hier geht es also auch um die Aspekte, die uns in die Lust führen. Zum Beispiel wie sicher fühle ich mich in meinem Körper verankert und was löst bei mir emotionale oder sexuelle Anziehung aus.

Beziehung in Leichtigkeit leben

Beziehung

Als vierte Komponente geht es dann nicht nur darum, wie die Beziehung – falls vorhanden – selbst läuft. Sondern auch hier um die persönlichen Kompetenzen, die den Klient*innen zur Verfügung stehen, um Beziehungen – auch sexueller Art – zu gestalten. Kommunikation – verbal und vor allen auch nonverbal – ist hier ein wichtiger Bestandteil.

Oder auch Aspekte der Verführung im Sinne von, wie kann ich jemand anderen dafür faszinieren, das zu machen, was ich gern mit dieser Person erleben möchte.

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